Die Auflösung

Das Schlimme an der Schlaflosigkeitskrankheit ist nicht die Unmöglichkeit, zu schlafen, sondern die Tatsache, dass man vergisst. Zu guter Letzt den Namen der Menschen und sogar das Bewusstsein des eigenen Ich, bis man in eine Art vergangenheitslosen Stumpfsinn verfällt.

Gabriel Garcia Marquez

Die Auflösung


Eine Untersuchung über Unvermögen und Belanglosigkeit

Inspiriert von Gabriel García Márquez´ Roman „Hundert Jahre Einsamkeit”

Es spielen Karolin Heß, Mareike Hölker, Kathrin Meyer Stimme Hendrik Pape

Regie und Klangcollage Julia Kastner Dramaturgie Barbara Kastner

Dramaturgische Mitarbeit / PR Sina Wachenfeld Regieassistenz Focko Hinken

Ein merkwürdiges Mädchen schleppt die Schlaflosigkeitspest ein. Sie breitet sich sofort epidemieartig im Dorf aus. Selbstgemachte Karameltierchen treiben die Ansteckung voran. Schlaflosgrüne Hähnchen. Schlaflosrosenrote Fische. Schlaflosgelbe Pferdchen. Der ständige Wachzustand hat grausame Auswirkungen: Das Vergessen greift um sich. Die Bezeichnungen der Dinge und ihre Funktion, aber auch die eigene Geschichte - die ganze Persönlichkeit - entgleiten unrettbar.

Drei Schauspielerinnen untersuchen die Auswirkungen des Fluchs von Schlaflosigkeit, Vergessen und Einsamkeit: Das Unvermögen, eine bewusste Beziehung zu sich, der Welt und den anderen herzustellen. Sie leben in einem scheinbaren Wirrwarr aus Worten, Beziehungen und Erinnerungen. Angestrengt versuchen sie, ihr Leben und das der anderen festzuhalten. Alles scheint ihnen zu entgleiten und verebbt in bruchstückhaften Bildern, zerfransten Betrachtungen und hintergründigen Klängen. Der Tisch heißt nicht mehr Tisch. Schlimmer noch: Was ist er überhaupt? Die Menschen bestehen aus verblassender Erinnerung und erfundener Wirklichkeit. Verbindungen zwischen Bildern, Begriffen, Sprache und Persönlichkeit werden neu vernetzt. Die bizarren Situationen ähneln erschreckend den Absurditäten unseres Alltags.

„Die Auflösung” verbindet Formen der Raum- und Klanginstallation mit Elementen des Hörspiels und performativer Theaterarbeit. Inspirationsquelle für „Die Auflösung” ist ein Kapitel aus dem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit” von dem großen Erzähler des magischen Realismus Gabriel Garcia Marquez: Er erzählt, wie das Dorf Macondo von einer Schlaflosigkeits-Welle erfasst wird.

Premiere: 28. April 2006

Weitere Vorstellungen: 29. April und 5./ 6. Mai 2006, jeweils 20 Uhr

Kartenreservierung: 05121-13 46 20

Ort: Wallstraße 12 (ehemals Textilhaus Weinsziehr)

Info: julia.kastner@mittelmark.de

Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs II der Universität Hildesheim, der Firma 3M und der edding AG